Wo Rauch aufsteigt, erfährt zuerst die Klötzer Zentrale
Temperaturen weit über 30 Grad, lange Trockenperioden wechseln sich mit starken Gewittern samt Blitz und Donner ab, hinzu kommen trockene Winde: Es ist Hochsommer und damit steigt die Waldbrandgefahr. Der Landtagsabgeordnete Lutz Franke (FDP) hat sich gestern im Betreuungsforstamt Westliche Altmark in Klötze darüber informiert, wie die gut 60 000 Hektar Betreuungsgebiet mit modernster Kameratechnik überwacht werden.

(Quelle: Volksstimme vom 16.07.2010) Klötze. Das Thema sei im wahrsten Wortsinn brandaktuell. Er wolle detailliert über die Waldbrandüberwachung im Altmarkkreis informiert werden, sagte Lutz Franke, für die FDP Abgeordneter im Landtag, gestern während seines Besuchs im Betreuungsforstamt in Klötze. Forstamtsleiter Helmut Jachalke hatte Franke empfangen.
Jachalke: "Das Land hat viel Geld in die Waldbrand-Überwachung investiert. Es ist gut, wenn die Parlamentarier sehen, wofür das Geld ausgegeben wurde. Auch in Hinblick auf eventuell anstehende Diskussionen über Kamerastandorte." Im Altmarkkreis Salzwdel gebe es eine gute Grundausstattung was die Branderkennungskameras angeht, so Jachalke. 2003 wurde die erste installiert, seit dem vergangenen Jahr ist auf allen Feuerwachtürmen kein Mensch mehr im Einsatz. Alles läuft über ferngesteuerte Kameras, angetrieben durch Fotovoltaik und Brennstoffzelle.
"Die Aufgabe der Brandprävention ist Hoheitssache des Altmarkkreises. Wir als Betreuungsforstamt sind ein Dienstleister, der sich um die praktische Arbeit kümmert, zum Beispiel halten wir die Löschwasserstellen vor", erklärte Jachalke. Dabei handele es sich um ein Netz aus küstlichen Teichen und riesigen unterirdischen Wassertanks mit weit mehr als 10 000 Liter Fassungsvermögen. Kontrolliert und gewartet werden sie durch die Feuerwehr. "In meinen Augen reichen diese Wasservorräte gut aus, um in unserem Gebiet Waldbrände zu löschen", betonte der Forstamtsleiter.
Und so funktiert das Kamera-Überwachungssystem: Auf insgesamt fünf Wachtürmen – Breitenfeld, Hasselburg, Zichtau, Genzin und Heidberg – sind die Kameras installiert, alle acht Minuten machen sie eine 360 Grad Aufnahme ihrer Umgebung. Die Technik wurde in der Raumfahrt entwickelt. Dabei reagiert ein Sensor auf eine Veränderung der Graustufe. Bei einer Auffälligkeit funkt das Gerät ein Signal samt Foto an die Zentrale. Dort saß gestern Bernd Kirsch. Der 60-jährige Forstamtsmitarbeiter muss zwei Monitore im Auge behalten. Auf dem linken laufen ständig die Schwarz-Weiß-Fotos der Turmkameras ein. Die muss er sich genau ansehen. Da der Sensor der Kameras sehr empfindlich auf Farbveränderungen reagiert, sind Fehlalarme sehr häufig. Das System meldet auch Alarm, wenn zum Beispiel eine große Staubwolke aufsteigt, die durch die Getreideernte verursacht wurde. Auch sehr schnelle Windradbewegungen können das System alamieren.
Trotzdem überwiegen die Vorteile: Früher mussten die Mitarbeiter auch bei großer Hitze und Sturm oben im Turm verweilen. Mit der Kameratechnik kam die Erleichterung. Helmut Jachalke: "Für die Mitarbeiter und die Sache an sich ist das ein gewaltiger Fortschritt." Dank eines zweiten Monitors mit topografischer Karte, kann im Ernstfall ein Brand sehr schnell lokalisiert, die Feuerwehr alarmiert werden. Im Störfall können die Geräte per Fernwartung aus Berlin wieder instand gesetzt werden.
Je nach Waldbrandwarnstufe wird die Zentrale besetzt. Nach den ausgiebigen Regenfällen der vergangenen Nächte gelte derzeit Waldbrandstufe eins. Dennoch sollten sich Waldspaziergänger verantwortungsbewusst verhalten. Denn: "Waldbrände halten sich nicht an unsere Waldbrandstufen. Durch Unachtsamkeit kann schnell ein Brand entstehen", mahnte Jachalke. Die Waldbrandstufen seien dafür da, um die Menschen für die mögliche Gefahr zu sensibilisieren. Es könnten, so der Forstamtsleiter, sogar im Winter Waldbrände entstehen. Welche Warnstufe herrscht, ist auf Schildern, in der Zeitung und im Internet zu lesen. In der Zeit vom 15. Februar bis 15. Oktober ist das Rauchen im Wald komplett verboten. Zudem dürfen keine offenen Feuer bis 30 Meter zum Wald entzündet werden.
Landwirte, deren Felder an Wald grenzen, sollte bei Warnstufe 3 und 4 einen Flugstreifen am Rand anlegen. Übrigens: Glasflaschen und -scherben können entgegen einem weit verbreiteten Irrglauben die Sonnenstrahlen nicht wie Brenngläser bündeln und so einfach einen Waldbrand auslösen. Dafür müssten ganz besondere und sehr sehr unwahrscheinliche Umstände vorhanden sein, so Helmut Jachalke.